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Victory Cross Roads
Die Touring-Variante ohne Verkleidung, vergleichbar mit der Road King von Harley.
Die Victory Cross Roads ist kein Bike von der Stange – sie ist ein Statement aus Metall und Drehmoment. Wer heute auf diesem Bagger sitzt, weiß, dass er ein Stück amerikanische Motorradgeschichte bändigt, das leider viel zu früh in den Ruhestand geschickt wurde. Zwischen 2010 und 2014 rollte dieses Eisen aus den Werkshallen von Polaris und zeigte der Konkurrenz aus Milwaukee damals ziemlich frech die Rücklichter.
Die Technik: Ein Bulle auf zwei Rädern
Das Herzstück ist der legendäre Freedom 106 V-Twin. Mit stolzen 1.731 ccm Hubraum (oder eben 106 Cubic Inches für die US-Fraktion) liefert der Motor nicht nur einen satten Sound, sondern auch brachiale Gewalt. Während andere noch am Gasgriff drehen, schiebt der luft-ölgekühlte 50-Grad-V2 die rund 350 Kilo mit bis zu 140 Nm Drehmoment nach vorne, als gäbe es kein Morgen.
Ein echtes Highlight ist das 6-Gang-Getriebe. Der sechste Gang ist als echter Overdrive ausgelegt – perfekt, um bei entspannten 100 Sachen mit niedriger Drehzahl über die Landstraße zu gleiten. Besonders clever: Victory verzichtete auf ein Wirrwarr aus Schläuchen und Dichtungen. Der Motor ist ein “Unit-Construction”-Design, bei dem Getriebe und Kurbelgehäuse eine Einheit bilden. Das macht das Aggregat nicht nur kompakt, sondern auch verdammt wartungsarm. Mit der modernen Upside-Down-Gabel und dem luftunterstützten Hinterraddämpfer bügelt die Cross Roads Unebenheiten weg, bei denen manch anderer Cruiser den Reiter ordentlich durchschüttelt.
Die Historie: Der Bagger mit den zwei Gesichtern
Die Cross Roads kam 2010 als “nackte” Schwester der vollverkleideten Cross Country auf den Markt. Victory wollte einen puristischen Cruiser schaffen, der aber voll tourentauglich ist. Mit ihren riesigen 79-Liter-Koffern – damals die größten ihrer Klasse – war sie der perfekte Begleiter für den Run ans Meer oder in die Alpen.
Es gab verschiedene Styles für jeden Geschmack: Die Classic LE mit ihren nostalgischen Speichenrädern und Leder-Details bediente die Oldschool-Fans, während die Standard-Version mit Gussrädern und Hartschalenkoffern eher modern daherkam. Doch 2017 war plötzlich Schluss – Polaris zog den Stecker bei Victory, um sich voll auf Indian zu konzentrieren.
Heute ist die Cross Roads ein echter Geheimtipp. Wer ein Bike sucht, das moderner konstruiert ist als eine alte Harley, aber trotzdem diesen massiven, unverwüstlichen US-Charakter besitzt, kommt an ihr nicht vorbei. Sie ist der “Eisenschwein”-gewordene Beweis dafür, dass guter Geschmack und Leistung zeitlos sind.