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Moto Guzzi Bellagio
Ein Mix aus Cruiser und Roadster mit dem kurzhubigen 940er Motor für sportliches Fahren.
Die Moto Guzzi Bellagio nimmt in der Historie der Traditionsmarke aus Mandello del Lario eine Sonderstellung ein. Eingeführt im Jahr 2007, war sie die Antwort auf den Wunsch nach einem Motorrad, das die Lücke zwischen dem klassischen Cruiser-Segment und der Agilität eines Naked Bikes schließt. Während das Design mit der flachen Silhouette und dem breiten Lenker zunächst an eine klassische „Custom“ erinnert, verbirgt sich unter dem Blechkleid eine Geometrie, die eher an die sportliche Targa oder die V11-Modelle angelehnt ist.
Technisch gesehen ist das Herzstück der Bellagio ein technisches Kuriosum: Der 936-ccm-Motor ist eine Kurzhub-Variante des großen 1200er-V2. Durch die Kombination des Gehäuses der großen Baureihe mit der Kurbelwelle der kleineren 850er entstand ein Triebwerk, das für Moto Guzzi ungewöhnlich drehfreudig ist. Mit 75 PS bietet der Motor zwar nominell weniger Leistung als die reinrassigen Sportler, überzeugt aber durch eine extrem lineare Kraftentfaltung und einen markanten, hämmernden Sound aus der charakteristischen Doppelauspuffanlage.
Ein weiteres Highlight ist das CARC-System (Cardano Reattivo Compatto). Dieser reaktive Kardanantrieb verhindert das typische „Aufstellen“ des Hecks beim Beschleunigen, was der Bellagio eine Ruhe im Fahrwerk verleiht, die man sonst nur bei kettengetriebenen Maschinen findet. In Kombination mit dem stabilen Doppelschleifenrahmen aus Stahl und der hochwertigen Brembo-Bremsanlage mutiert die Bellagio auf Passstraßen zum „Wolf im Schafspelz“. Historisch betrachtet blieb die Bellagio ein Geheimtipp und wurde 2014 eingestellt, da der Markt damals eher zu extremen Kategorien – entweder purer Cruiser oder High-End-Tourer – neigte. Heute ist sie aufgrund dieser Vielseitigkeit und der robusten Technik ein gesuchtes Sammlerstück für Kenner, die italienischen Charakter ohne die Trägheit schwerer Tourer suchen.