WIKI & INFOS
Cleveland Four
Ein kompakter, sportlicher Vierzylinder aus Ohio.
Fahrgefühl
Deutlich leichter und handlicher als die großen Hendersons, ideal für den schnellen Verkehr der 20er Jahre.
In der Geschichte der amerikanischen Motorradindustrie nimmt die
Cleveland Four einen besonderen Platz als technologisches Meisterwerk ein, das tragischerweise am Vorabend der Weltwirtschaftskrise entstand. Während die Cleveland Motorcycle Manufacturing Company zuvor für einfache Einzylinder-Zweitakter bekannt war, wagte sie Mitte der 1920er Jahre den Sprung in die prestigeträchtige Oberklasse der Vierzylinder-Maschinen.
Technischer Werdegang und Ingenieurskunst
Der Einstieg in die Vierzylinder-Welt begann 1925 mit einem 600-ccm-Motor nach dem T-Head-Prinzip, entworfen von L.E. Fowler. Da dieses Modell jedoch leistungsschwach war, verpflichtete das Unternehmen den visionären Ingenieur Everett DeLong. DeLong entwickelte einen modernen F-Head-Motor (einlassgesteuert über Kopf, Auslass seitlich), der zunächst auf 750 ccm (Modell 4-45) und schließlich 1927 auf satte 1000 ccm (Modell 4-61) vergrößert wurde.
Ein technisches Alleinstellungsmerkmal der Cleveland Four war die Wartungsfreundlichkeit: Das Getriebe war so konstruiert, dass man die Innereien seitlich entnehmen konnte, ohne den gesamten Motor aus dem Rahmen ausbauen zu müssen – ein massiver Vorteil gegenüber der Konkurrenz von Henderson oder Ace.
Das Streben nach Rekorden
Den Höhepunkt der Entwicklung markierte 1929 das Modell Tornado. Mit Magnesium-Kolben, größeren Ventilen und einem tiefergelegten Fahrwerk war es für hohe Geschwindigkeiten optimiert. Die „Century“-Variante wurde sogar mit einer Plakette ausgeliefert, die eine geprüfte Höchstgeschwindigkeit von 100 mph (ca. 160 km/h) garantierte. Damit war die Cleveland Four für kurze Zeit das schnellste Serienmotorrad Amerikas.
Das historische Ende
Trotz der technischen Überlegenheit kam das Ende abrupt. Die finanzielle Belastung durch die Entwicklung und der Börsencrash von 1929 zwangen das Unternehmen 1930 in den Ruin. Zuvor hatte man sogar Harley-Davidson eine Übernahme angeboten, was diese jedoch ablehnten. Heute existieren schätzungsweise nur noch wenige hundert Exemplare weltweit, was die Cleveland Four zu einem der begehrtesten und seltensten Sammlerobjekte der Motorradgeschichte macht.