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BMW R 850 C
Die kleinere Hubraumvariante für den europäischen Markt.
Besonderheit
Technisch identisch mit der 1200er, jedoch spürbar sanfter in der Kraftentfaltung und günstiger im Unterhalt.
Die BMW R 850 C nimmt in der Motorradgeschichte eine faszinierende Sonderrolle ein. Während die große Schwester, die R 1200 C, durch ihren Auftritt im James-Bond-Film weltberühmt wurde, blieb die 850er-Variante stets ein exklusiver Geheimtipp für Genießer. Eingeführt im Jahr 1997, markierte dieses Modell BMWs mutigen Versuch, im Cruiser-Segment Fuß zu fassen, ohne dabei die typisch bayerischen Tugenden der Ingenieurskunst aufzugeben.
Historische Einordnung
In den späten 90er-Jahren boomte der Cruiser-Markt, dominiert von klassischen V2-Motoren aus den USA. BMW entschied sich jedoch gegen eine Kopie und setzte stattdessen auf das markante Boxer-Layout. Die R 850 C wurde parallel zur 1200er angeboten, um eine Einsteiger-Option und eine steuerlich günstigere Alternative in bestimmten Märkten zu bieten. Da der Preisunterschied zur großen Maschine jedoch gering war, griffen die meisten Käufer zum hubraumstärkeren Modell. Dies führte dazu, dass die R 850 C heute ein echtes Sammlerstück mit geringen Produktionszahlen ist.
Die Technik: Präzision statt roher Gewalt
Das Herzstück ist der luft- und ölgekühlte Vierventil-Boxermotor. Mit einem Hubraum von 848 ccm leistet das Triebwerk 50 PS. Was auf dem Papier nach wenig klingt, entpuppt sich in der Praxis als ein Musterbeispiel an Laufkultur. Der Motor der 850er gilt technisch als deutlich vibrationsärmer und drehfreudiger als das 1200er-Aggregat.
Besonders innovativ für die damalige Cruiser-Welt war das Fahrwerk:
- Telelever: Anstatt einer klassischen Telegabel verbaute BMW die Telelever-Vordergabel, die das Eintauchen der Front beim harten Bremsen fast vollständig eliminiert.
- Paralever: Die Einarmschwinge am Heck mit integriertem Kardanantrieb sorgt für eine wartungsarme Kraftübertragung und verhindert das typische Aufstellmoment älterer Motorräder.
- Bremsen: Die Anlage ist auch heute noch über jeden Zweifel erhaben, besonders wenn das damals optionale ABS 2 an Bord ist.
Design und Ergonomie
Optisch besticht die R 850 C durch ihren markanten Brückenrahmen aus Aluminium-Guss und die weit geschwungenen Lenker. Einzigartig war das Klappkonzept des Soziussitzes, der hochgeklappt als Rückenlehne für den Fahrer diente – ein Feature, das heute Kultstatus genießt. Trotz ihres massiven Auftretens und eines Gewichts von rund 250 Kilogramm lässt sich die Maschine dank des tiefen Schwerpunktes überraschend agil durch Kurven zirkeln. Wer heute eine gut erhaltene R 850 C besitzt, fährt ein Stück Technikgeschichte, das beweist, dass Charakter nicht immer aus maximalem Hubraum resultieren muss.